LERNBEREICH 03 · 34a SECURITY ACADEMY

UMGANG MIT MENSCHEN

Kommunikation, Wahrnehmung, Konflikte und professionelle Deeskalation

PRÜFUNGSRELEVANTINTERAKTIVFALLBEISPIELEWIEDERHOLBAR
UMGANG MIT MENSCHEN
LERNEN → MERKEN → ÜBEN → AUSWERTEN

LERNEN

KOMMUNIKATION · WAHRNEHMUNG · DEESKALATION

01 · Beobachtung, Interpretation und Vorurteil

Beobachtung beschreibt, was tatsächlich wahrgenommen wird. Interpretation ist die eigene Deutung. Ein Vorurteil ist eine vorgeprägte Bewertung.

Prüfungs-Merksatz: Erst beobachten, dann bewerten – nicht umgekehrt.

02 · Selbstbild und Fremdbild

Das Selbstbild beschreibt, wie eine Person sich selbst sieht. Das Fremdbild beschreibt, wie andere sie wahrnehmen. Beide können stark voneinander abweichen.

Für Sicherheitskräfte gilt: Ein Fremdbild ist keine Tatsache. Wahrnehmungen müssen von konkreten Beobachtungen getrennt werden.

03 · Vier-Seiten-Modell

Nach Schulz von Thun kann eine Aussage gleichzeitig mehrere Botschaften enthalten:

SACHEWorum geht es sachlich?
SELBSTOFFENBARUNGWas zeigt die Person über sich?
BEZIEHUNGWas sagt die Person über das Verhältnis?
APPELLWas soll der andere tun?
Wichtig: Welche Ebene gemeint ist, darf nicht vorschnell unterstellt werden.

04 · Eisbergmodell

Das Eisbergmodell verdeutlicht: Ein kleiner Teil der Kommunikation ist unmittelbar sichtbar. Darunter können Gefühle, Bedürfnisse und Motive liegen.

Mögliche Bedürfnisse können Anerkennung, Respekt, Zugehörigkeit, Kontrolle oder eine nachvollziehbare Erklärung sein. Das sind Hypothesen, keine sicheren Tatsachen.

05 · Körpersprache und extraverbale Kommunikation

Mimik, Gestik, Körperhaltung, Abstand, Blickkontakt, Lautstärke und Sprechweise wirken zusammen.

Eine offene, ruhige und nicht bedrohliche Haltung kann deeskalierend wirken. Anstarren, hektische Bewegungen, unnötige Annäherung oder aggressives Gestikulieren können dagegen als Provokation wahrgenommen werden.

06 · Distanzzonen

Intimzonesehr naher persönlicher Bereich; ungefragtes Eindringen kann als Bedrohung wirken.
Persönliche Zonetypischer Abstand für persönliche Gespräche.
Soziale Zonegeeignet für sachliche Kontakte und berufliche Kommunikation.
Öffentliche Zonegrößerer Abstand, z. B. bei Ansprache vor mehreren Personen.
Im Sicherheitsdienst: angemessenen Abstand wahren, seitlich statt frontal positionieren und Rückzugswege beachten.

07 · Aktives Zuhören

Aktives Zuhören bedeutet: aufmerksam zuhören, ausreden lassen, angemessenen Blickkontakt einsetzen, nachfragen und Gesagtes gegebenenfalls zusammenfassen.

Beispiel: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, waren Sie im Geschäft, haben aber nichts genommen. Richtig?“

08 · Offene und geschlossene Fragen

Offene Fragen geben Raum für Informationen: „Was ist gerade passiert?“

Geschlossene Fragen dienen zur gezielten Klärung: „Haben Sie den Kassenbereich passiert?“

Provokante, vorwurfsvolle Fangfragen wie „Wollen Sie jetzt Ärger machen?“ erhöhen häufig die Konfrontation.

09 · Konfliktgespräch und Deeskalation

Ruhig, respektvoll und lösungsorientiert sprechen. Gefühle nicht unnötig bewerten, klare Grenzen setzen und konkrete nächste Schritte anbieten.

Eine professionelle Gesprächseröffnung kann lauten: „Ich sehe, dass Sie gerade verärgert sind. Ich erkläre Ihnen ruhig, warum Sie im Moment nicht hineinkönnen.“

10 · Eskalation erkennen

Warnzeichen können steigende Lautstärke, Beschimpfungen, Drohungen, aggressive Gestik, stark verringerter Abstand oder unkontrollierte Bewegungen sein.

Je höher die Erregung, desto wichtiger werden Abstand, ruhige Sprache, klare Grenzen, Unterstützung und Eigenschutz.

11 · Eigenschutz hat Vorrang

Deeskalation ist wichtig, aber bei akuter Gefahr nicht Selbstzweck. Bei Drohung, körperlichem Angriff, gefährlicher Annäherung oder möglichem Einsatz von Gegenständen als Waffen: Distanz schaffen, Unterstützung anfordern und die vorgesehenen Notfallabläufe einleiten.

Prüfung: Nicht jede Situation lässt sich „wegdiskutieren“.

12 · Publikum und Gruppendynamik

Zuschauer, Filmen, Zurufe und Gruppendruck können einen Konflikt verstärken. Ein Freund oder eine Begleitperson kann dagegen deeskalierend wirken.

Die Sicherheitskraft sollte Publikum möglichst nicht zusätzlich in die Diskussion einbeziehen und bei Bedarf Kollegen organisieren.

13 · Maslow – menschliche Bedürfnisse

Die Bedürfnishierarchie wird im Unterricht häufig genutzt, um Verhalten und Bedürfnisse einzuordnen: körperliche Grundbedürfnisse, Sicherheit, soziale Zugehörigkeit, Wertschätzung und Selbstverwirklichung.

Für die Praxis: Hinter einem Konflikt können Bedürfnisse stehen. Nicht automatisch Motive unterstellen, sondern ruhig klären.

14 · Professionelle Kontaktaufnahme

Ruhig, höflich und sachlich auftreten. Keine unnötige körperliche Annäherung und keine Beschuldigung ohne geklärte Tatsachen.

Grundformel: Sehen → beschreiben → hinterfragen → ruhig ansprechen → zuhören → Sachverhalt klären.

15 · Fall: „Du hast mir gar nichts zu sagen!“

Die Aussage kann auf allen vier Ebenen betrachtet werden. Sachlich kann sie die Rolle der Sicherheitskraft bestreiten; auf der Beziehungsebene kann die Autorität zurückgewiesen werden; als Appell kann eine Änderung der Entscheidung verlangt werden.

Die tatsächliche Motivation ist nicht sicher bekannt. Deshalb keine vorschnelle Diagnose.

16 · Fall: vermeintliche Ladendiebin

Eine Person schaut sich um, hält ihre Tasche dicht am Körper und wirkt angespannt. Das sind Beobachtungen – kein Beweis für Diebstahl.

Nervosität kann viele Ursachen haben. Die Sicherheitskraft trennt Tatsachen, Aussagen und Beweise von persönlichen Vermutungen.

MERKSÄTZE

KURZFORMELN ZUM AUSWENDIG LERNEN

WAHRNEHMUNGErst beobachten, dann bewerten – nicht umgekehrt.
BEOBACHTUNGWas ich tatsächlich wahrnehme. Interpretation ist meine Deutung.
VIER SEITENSache – Selbstoffenbarung – Beziehung – Appell.
EISBERGSichtbares Verhalten kann durch nicht sichtbare Gefühle und Bedürfnisse beeinflusst werden.
KÖRPERSPRACHEHinweis, aber kein automatischer Beweis für Gefühle oder Schuld.
DISTANZAngemessenen Abstand wahren und Rückzugswege offenhalten.
AKTIVES ZUHÖRENZuhören – ausreden lassen – nachfragen – zusammenfassen.
FRAGENOffen informieren, geschlossen gezielt klären; keine provokanten Fangfragen.
DEESKALATIONRuhig – respektvoll – klar – lösungsorientiert.
EIGENSCHUTZBei akuter Gefahr Distanz schaffen, Unterstützung holen und Notfallabläufe einleiten.
PRÜFUNGSFORMELSehen → beschreiben → hinterfragen → ansprechen → zuhören → klären.
WICHTIGVermutungen über Motive niemals als sichere Tatsachen darstellen.

ÜBUNGSFRAGEN

20 FRAGEN · EINZEL- UND MEHRFACHWAHL

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